1. Projektidee

Alle Kinder möchten und sollen singen – dies ist die Grundidee des Projektes. Es soll ein Angebot geschaffen werden, welches sowohl die Singfähigkeit der Kindergartenkinder als auch die der Erzieherinnen und Erzieher langfristig schult und sie zu weiterer Auseinandersetzung mit Musik und zum Einsatz von Musik als Bestandteil des normalen Tagesablaufes im Kindergartenalltag motiviert. Dazu werden zwei Musikpädagogen im zwei-Wochen Rhythmus alle sieben Kindergärten in Sendenhorst und Albersloh besuchen, um für alle Kinder eine musikalische Einheit zu gestalten. In dieser Einheit werden sowohl die Singfertigkeiten als auch die Rhythmusfertigkeiten der Kinder und der Erzieherinnen und Erzieher geschult. Diese Einheiten unter professioneller Leitung dienen sowohl der musikalischen Entwicklung der Kinder und Erzieherinnen und Erzieher, als auch der Anregung für weiterführende musikalische Aktivitäten im Kindergarten.

2. Projektanlass / theoretische Hintergründe

„Durch Singen kann der Mensch seine psychische und physische Gesundheit nachhaltig positiv beeinflussen“, betont Sozialwissenschaftler und Diplompädagoge Dr. Karl Adamek in seiner Studie zur Gesundheit und Schulfähigkeit von Kindergartenkindern.

Das Singen, allen voran in der Kindheit, fördert das physische und psychische Wohlbefinden und trägt zu einer besseren Lebensfähigkeit bei. Physiologische und neurobiologische Untersuchungen bestätigen folgende Wirkungen des Singens:

  1. Singen fördert die frühkindliche gesunde Gehirnentwicklung. Die wichtigsten Hirnentwicklungen finden in den ersten Jahren bis zum Kindergartenalter statt. Die Entwicklung der nicht-sprachlichen Kommunikationsformen ist bei der Gehirnentwicklung von großer Signifikanz.
  2. Singen fördert die Hirnfunktionen. Eine Herausforderung für den Menschen ist es, sein Fühlen und Denken, also das emotionale Gehirn mit dem kognitiven Gehirn zu integrieren. Eine Synchronisation der neuronalen Netzwerke ist entscheidend für ein physisch, psychisch und sozial gesundes Leben. Das Hören, Spielen oder Singen von Melodien führt zu einer Ausschüttung von Botenstoffen, welche zur Stärkung, Festigung und Bahnung der aktivierten Nervenzellverschaltungen genutzt werden.
  3. Singen verbessert die Genregulation. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die vorhandenen Gene erst aktiviert werden müssen. Entscheidend für die Aktivierung sind soziale Beziehungen. Demnach trägt Singen als Form der sozialen Beziehungsaufnahme wesentlich zur Entwicklungsfunktion in der Kindheit bei.
  4. Singen fördert das Immunsystem durch die Produktion von Immunglobulin A, einem wichtigen Antikörper im Immunsystem des Körpers. Je größer und leidenschaftlicher die emotionale Beteiligung ist, umso mehr steigert sich auch der Immunglobulin-A-Spiegel. Emotionale Belastung hingegen führt zur Absenkung und damit zur Schwächung des Immunsystems.
  5. Meditatives Singen fördert die Produktion von Melatonin, was einen normalen Blutdruck fördert und Abwehrzellen zur Vernichtung von Tumoren abbaut.
  6. Singen erhöht die Herzratenvariabilität und hat somit eine Vorbeugende Wirkung gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
  7. Singen fördert die gesunde Atmung. Durch die Intensivierung der vertieften Zwerchfellatmung beim Singen erkranken singende Kinder seltener an verstopfter Nase, an Polypen, Tonsillarhypertrophien, Tracheobronchitiden, Lungenentzündungen. Auch Otitiden und Hörstörungen sind seltener.
  8. Singen fördert die körperliche Leistungsfähigkeit. Ein Versuch konnte aufzeigen, dass die körperliche Belastbarkeit der Probanden beim Singen um 59 % anstieg.
  9. Singen reduziert Angst, Angespanntheit und Stress. Untersuchungen zeigen, dass Singen zum Abbau von Adrenalin und zu vermehrter Produktion von Serotonin und Oxytocin führt. Dadurch werden innere Ruhe, Zufriedenheit und Gelassenheit gestärkt.
  10. Singen baut Aggressionen ab. Bestimmte Formen von Singen senken den Kortisolspiegel bei Männern und Frauen und den Testosteronspiegel bei Männern. Ein erhöhter Kortisol- und Testosteronspiegel kann zu Aggressivität, Destruktion und ‚Blackouts‘ führen. Folgen sind Beeinträchtigungen der Denkfunktion sowie Anspannung, Angst, Stress und Kontrollverlust.
  11. Singen kann Glückserleben verursachen. Beim Singen wird eine Vielzahl von Glückshormonen ausgeschüttet. Das Ansteigen des Serotoninspiegels führt zu innerer Ruhe und Zufriedenheit, ein erhöhter Beta-Endorphinspiegels senkt die Schmerzempfindung und Noradrenalin, welches beim Singen fast verdoppelt wird, fördert Wachheit, Leistungsfähigkeit und die Motivation.
  12. Singen verbessert die Lernfähigkeit. Singen in der frühen Kindheit fördert die langfristige Bildung von Spiegelneuronen, welche zentrale Funktionen für die Fähigkeit des Lernens haben. Außerdem wirkt sich die Entfaltung der musikalischen Intelligenz ebenfalls positiv auf die Entwicklung der logisch-mathematischen, sprachlich-linguistischen, körperlich-kinästhetischen, sowie der räumlichen, intrapersonalen und interpersonalen Intelligenz aus.
  13. Singen verbessert die Randbedingungen des Lernens. Dies geschieht zum einen durch die Verdoppelung des Noradrenalinspiegels, was zu einer erhöhten Leistungsfähigkeit und Motivation führt, und zum anderen durch den Angstlösenden Effekt des Singens. Angst beeinträchtigt die Lernfähigkeit und führt dazu, dass Erinnerungen nur bedingt abrufbar sind.
  14. Singen fördert die Sozialkompetenz. Die Reduktion des Kortisol- und Adrenalinspiegels, sowie des Testosteronspiegels bei Männern fördert den Abbau sozialer Spannungen in Gruppen.
  15. Singen fördert die soziale Beziehungsfähigkeit. Beim Singen wird verstärkt das Bindungshormon Oxytocin augeschüttet, welches die soziale Bindungsfähigkeit steuert und Gefühle von Geborgenheit, Vertrauen und Liebe erzeugt. Dies verbessert die Fähigkeit zur Kooperation
  16. Singen fördert die Empathie durch die Entfaltung der Spiegelneuronen und damit der Fähigkeit Handlungen und Empfindungen anderer Menschen zu beobachten und zu simulieren.
  17. Singen führt zu Friedlichkeit. Der Abbau von Stress- und Aggressionshormonen beim Singen sorgt dafür, dass der Mensch sich aus verschiedenen emotionalen Lagen in die Befindlichkeit der Friedlichkeit bewegen und seine Persönlichkeit in die Richtung formen kann.

3. Beteiligte

In die Umsetzung dieses Konzeptes sind ALLE 7 Kindergärten in Sendenhorst und Albersloh einbezogen. Durch die Aktivitäten soll das Singen in den Familien wieder Einzug erhalten. Interessierte Eltern, Großeltern und/oder Erziehungsberechtigte können nach und nach zusätzlich eingebunden werden. Kurse für Eltern etc. die das gesamtprojekt unterstützen können angeboten werden (z.B. Instrumentalkurse zum Erlernen der Liedbegleitung des Repertoires welches in den KiGas einstudiert wird).

4. Rahmenbedingungen

Um das Projekt in den Kindergartenalltag zu integrieren und die Kinder in ihrem gewohnten Umfeld abzuholen, werden die Einheiten im jeweiligen Kindergarten stattfinden, sofern die räumlichen Bedingungen dies ermöglichen. Es sollen alle Kinder und Erzieher_innen teilnehmen. Daher werden die Einheiten im Zeitrahmen von 9.30 bis 11.30 Uhr stattfinden. Da allen Kindern das Singen ermöglicht werden soll, wird für die Teilnahme kein Teilnahmebeitrag erhoben. Die für die Musikeinheiten benötigten Instrumente werden von den Leitern mitgebracht, so dass für die Kindergärten vorerst kein Anschaffungsbedarf besteht. Sollte in den Einrichtungen der Wunsch entstehen sich weiter musikalisch auszustatten, sind die musikpädagogischen Leiter gerne bereit, beratend zur Seite zu stehen.

4. Laufzeit und Verlauf

Die Musikeinheiten in den Kindergärten beginnen im März 2014.

In einem zweiwöchigen Turnus findet in jedem Kindergarten eine 45-minütige Musikeinheit statt, welche von zwei Musikpädagogen durchgeführt wird. Es gibt eine Fachperson für Gesang sowie eine Fachperson für Rhythmik. Beide Pädagogen können bei Bedarf verschiedene Instrumente einsetzen (Gitarre, Klavier etc.), wobei bevorzugt die Gitarre als Begleitinstrument eingesetzt wird.

In den Musikeinheiten lernen die Kinder vielfältige Einsatzmöglichkeiten ihrer Stimme und ihres Körpers kennen. Neben rhythmischen und stimmbildnerischen Übungen wird ein Repertoire erarbeitet, welches in Abstimmung mit den Kindergärten identisch für alle sieben Einrichtungen ist, so dass alle Kinder aus demselben Liedrepertoire schöpfen und gemeinsam musizieren können.

Das Projekt ist bis Sommer 2015 angelegt, also bis zum Ende des Kindergartenjahres 2014/15. Die Kinder der sieben Kindergärten sollen erstmals im Sommer 2014 zu einer gemeinsamen Präsentation zusammen geführt werden. Darüber hinaus sind Präsentationen innerhalb Kindergarten interner Veranstaltungen möglich. Die Projektphase endet im Sommer 2015 mit der Zusammenführung aller beteiligten Kindergärten im öffentlichen Rahmen. Denkbar ist eine Großveranstaltung im Rahmen des Sendenhorster Stadtjubiläums.

6. Ziele

  • Gesunden Einsatz der Stimme durch stimmbildnerische Übungen
  • Kennenlernen eines für Kinder angemessenen Repertoires
  • Besseres Verständnis für Körper und Stimme
  • Schulung der Koordinationsfähigkeit
  • Schaffung eines Gruppengefühls mit der kompletten Einrichtung
  • Spaß und Begeisterung an der Musik
  • Förderung der in Punkt 2 genannten Funktionen

7. Vorbereitung

Zur Vorbereitung wird es im Januar und Februar eine jeweils zweistündige Schulung aller Erzieherinnen und Erzieher geben, in denen folgende Inhalte vermittelt werden:

  • Theorie zur Kindersingstimme: Wie ist die Beschaffenheit der Kinderstimme? Wo liegen Besonderheiten? Worauf muss beim Singen geachtet werden?
  • Studien über die Auswirkung des Singens bei Kindern
  • Stimmbildung und Rhythmusübungen: Wie kann man Stimme und Körper adäquat beim Singen einsetzen? Wie können Übungen für Kinder spannend gestaltet werden?
  • Einübung des Repertoires: Worauf sollte man beim Einüben/Nachsingen achten?

8. Ablauf einer Einheit

Eine mögliche Einheit könnte wir folgt aussehen:

Zeit

Inhalt

Beschreibung

Wirkung

5‘

Begrüßung und Aktivierung

Zur Gitarrenmusik werden Bewegungen vorgemacht, die die Kinder nachmachen. Es entsteht ein „Begrüßungstanz“.

Die Kinder sammeln sich und werden konzentriert. Sie lernen, ihren Gegenüber zu imitieren und sich im Rhythmus der Musik zu bewegen. Ihr Körper wird aufgelockert, was wichtig für einen optimalen Einsatz der Stimme ist.

5‘

Einsingen

Durch Mitmachgeschichten findet ein spielerisches Einsingen statt. Die Kinder werden Teil der Geschichte, indem sie zum Gähnen, Staunen, Lachen etc. animiert werden.

Für einen gesunden Einsatz der Stimme ist ein Aufwärmen erforderlich. In die Geschichte können vielfältig stimmbildnerische Übungen eingebaut werden, welche spielerisch durch Imitation an die Kinder heran getragen werden. Durch Nachahmen lernen die Kinder, ihre Stimme in unterschiedlicher Art und Weise einzusetzen.

15‘

Arbeit an einem Stück

Durch Vor- und Nachsingen lernen die Kinder ein Stück kennen, arbeiten an einzelnen Passagen. Dabei wird der Text ins Zentrum gestellt und der Sinn mit den Kindern gemeinsam erarbeitet.

Die Kinder lernen Texte und Melodien, die mit wachsender Übung anspruchsvoller werden können. Sie lernen durch Imitation ihre Stimme passend in dem Lied einzusetzen und sich dem Gruppenklang zu fügen. Außerdem lernen sie, kindgerechte Texte je nach Sinn zu interpretieren.

10‘

Rhythmik

Bei einer Einheit Body Percussion werden rhythmische Übungen eingeübt. Dabei imitieren die Kinder im Takt den vom Leiter vorgegebenen Rhythmus.

Die Kinder bekommen ein Verständnis von Takt und Rhythmus. Sie lernen ihren ganzen Körper zum Klingen zu bringen. Sie werden geistig aufgelockert und können konzentriert weiter arbeiten.

10‘

Zusammensetzung der Liedpassage mit der Rhythmuseinheit

Die soeben erlernten Liedpassagen werden wiederholt und ggf. mit Rhythmuseinheiten und Bewegungen zusammengesetzt.

Die Kinder wiederholen und verinnerlichen das Gelernte. Sie werden geistig und koordinativ gefordert. Sie haben ein Erfolgserlebnis, da sie das Gelernte am Ende wiederholen können, und gehen motiviert in die Gruppen zurück.

 

 

9. Nachbereitung

Anlässlich zum gewählten Repertoire können in der Zeit bis zur nächsten Einheit Projekte in den Kindergärten durchgeführt werden, die mit dem Lied zu tun haben. So können die Kinder passend zum Lied Bilder malen, basteln usw., wodurch ihr Verständnis für den Liedtext weiter wächst. Es können außerdem eigene Musikinstrumente (z.B. Rasseln) gebaut werden, die bei Bedarf bei den Liedern eingesetzt werden können.

Die Erzieherinnen und Erzieher werden dazu motiviert, die gelernten Lieder auch im Kinderalltag weiter zu singen. Dies kann sowohl mit als auch ohne Begleitinstrument geschehen. Es sollte jedoch auf eine kindgerechte Tonlage geachtet werden.

Außerdem können für die Familien Aufnahmen der Lieder gemacht werden, damit das Liedgut auch außerhalb des Kindergartens in den Familien gesungen werden kann und im optimalen Fall in den Familienalltag integriert werden kann.